Stadt im Gedicht

Friedrich Torberg

Großstadtlyrik

Fabriken stehen Schlot an Schlot,
vorm Hurenhaus das Licht ist rot.

Ein blinder Bettler starrt zur Höh,
ein kleines Kind hat Gonorrhoe.

Eitrig der Mond vom Himmel trotzt.
Ein Dichter schreibt. Ein Leser kotzt.

(1932)

 

In der Auswahl motivgleicher Texte zum Thema (mit Anfang) wirst du Gedichte finden, auf welche diese Parodie sich bezieht.

Der Ausdruck Motiv ist mit unterschiedlichen Bedeutungen verbunden. Häufig bezeichnet man damit den Grund einer Handlung. Wir fragen zum Beispiel nach dem Motiv für ein Verbrechen. - Antworten können sein: Eifersucht, Hass, Mordlust, zurückgewiesene Liebe usw. Das jeweilige Motiv ist mit den genannten Wörtern abstrakt formuliert.

Im Zusammenhang mit Literatur wird das Wort ähnlich gebraucht. Es benennt auf abstrakte Weise das, was einem Werk - thematisch - zugrunde liegt. Auch hier ist es in gewisser Weise das, was jemanden (den Autor) dazu veranlasst hat, etwas zu tun (gestaltend zu schreiben.)

Motive in der Lyrik sind zum Beispiel: Jugend, Freundschaft, Liebe, Alter, Tod, die Tageszeiten: häufig der Abend, oder die Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst, Winter. - Nicht selten wählen die Autoren dann das Motiv als Überschrift.

Es gibt Versuche, die Begriffe Motiv und Thema gegeneinander abzugrenzen. Eine überzeugende Abgrenzung haben wir noch nicht gefunden. Wenn du selbst der Frage nach einer Abgrenzung nachgehen möchtest, gib dich nicht mit allgemeinen Erklärungen zufrieden - davon gibt es viele, sondern achte darauf, ob die Ausführungen auch dann noch überzeugend sind, wenn sie konkret werden - wenn also Beispiele gegeben werden.

Ein verbreitetes Motiv in der Literatur, der Malerei oder auch im Film ist die Stadt.

 

Motivgleiche Gedichte im Vergleich

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lektion5 Motivgleiche Gedichte 1
  Ein Vergleich von Form und Inhalt
lektion5 Motivgleiche Gedichte 2
  Ein Vergleich der Sprache - und historische Zuordnung