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Schullockdown - eine Güterabwägung

Schulen als Infektionstreiber?

"Die Frage, ob Schulen Infektionstreiber sind, lässt sich nicht mit einem pauschalen Ja oder Nein beantworten, weil es etliche Unsicherheiten gibt. Die Forschung hat zu Ansteckungen innerhalb der Schule und von dort aus in die Haushalte noch keine belastbaren Antworten.

Infektionsketten sind zudem nicht immer nachvollziehbar. Die Antwort bewegt sich also eher in einem Feld von "Mehr" oder "Weniger". Aussagen zum Beispiel von Kinder- und Jugendärzten oder dem Gesundheitsamt München sprechen dafür, dass das Infektionsgeschehen in Schulen sich in dem Rahmen bewegt, dass nicht von “Treibern” gesprochen werden kann. Der Leiter einer Monitoringstudie aus Österreich spricht hingegen von "signifikantem Infektionsgeschehen" an Schulen. Fest steht, dass Kinder und insbesondere ältere Jugendliche Teil des Infektionsgeschehens sind. Um das Infektionsrisiko beherrschbar zu machen, gelten die bekannten Hygienemaßnahmen."

Das ist das Fazit vom Faktenfuchs im Bayerischen Rundfunk

In: #Faktenfuchs: Sind Schulen Infektionstreiber? | BR24 (Stand: 22.12.2020, 16:37 Uhr)

Nicht im Fazit: "RKI: Kinder [sind] keine Treiber der Pandemie" -  Nach RKI-Chef Wieler "sehe so aus, als wenn tatsächlich Erwachsene eher Kinder anstecken und dann Kinder natürlich auch andere anstecken."]

 

In Schulen kann man sich mit Covid-19 infizieren. Schulen scheinen keine Treiber der Pandemie zu sein. Für viele Bereiche nimmt man in Kauf, dass Übertragungen stattfinden könnten, z.B. in Baumärkten, Großschlachtereien oder Speiseeisfabriken. Sind die wichtiger oder sicherer als Schulen?

Selbst wenn es so ist, dass in der Schule Übertragungen vorkommen, muss gefragt werden: 

  1. Wie weit kann die Gefährdung durch z.B. Wechselunterricht und Hygienemaßnahmen begrenzt werden?
  2. Wie weit kann die Gefährdung durch systematische Infektionskontrollen zusätzlich gemindert werden?
  3. Kann man besonders Gefährdeten nicht Fernunterricht anbieten?
  4. Bedeutet eine gewisse Erhöhung der Zahl von infizierten Kindern auch eine Erhöhung der Zahl der schwer Erkrankten?
  5. Wird der mögliche Schaden nicht zu hoch bewertet im Vergleich zu dem Schaden, der angerichtet wird durch die fehlenden direkten Kontakte mit Gleichaltrigen, die fehlenden direkten Kontakte mit den LehrerInnen, das fehlende gemeinsame Lernen oder die bei Vielen fehlende IT-Ausstattung für das Fernlernen, das Lernen unter teilweise sehr beengten Verhältnissen zu Hause oder die zunehmend berichtete häusliche Gewalt.
    Großer Schaden wird auch angerichtet durch die - trotz beachtlichen persönlichen Engagements vieler Lehrkräfte - immer noch häufig katastrophalen Lehrverhältnisse im Fernunterricht.
    Die Belastung der Eltern sollte auch nicht vergessen werden: die nicht wissen, wie ihre Kinder betreut werden sollen, wenn sie zur Arbeit sind; die von der Notwendigkeit, ihren Kindern zu helfen, überfordert sind; die hin und her gerissen sind zwischen Home-Office und Betreuung; usw.

Ja. Es ist eine Güterabwägung, die hier stattfinden muss. Wie häufig im Leben.

Wer Schule (als analogen Raum, in dem man sich zum Lehren und Lernen trifft) für Kinder komplett und auf längere Zeit schließt, versündigt sich an ihnen.

Das ist eine Meinung - absolute Wahrheiten gibt's hier nicht - von einem, der weder QAnon-Anhänger noch Aluhutträger noch Querdenker ist. Und der IT-basierten Deutsch-Unterricht aus Überzeugung schon vor mehr als 30 Jahren betrieben hat.

 

Siehe auch

[... Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat am 19. November eine Zahlenauswertung vorgestellt, die zur Grundlage einer Studie werden sollte.] »Wir haben zur Vorbereitung dieser bundesweiten Studie der Kultusministerkonferenz unsere Hamburger Daten alle aufgearbeitet, so gut es geht«, sagte Rabe damals. Demnach wurden in den ersten acht Wochen des Schulbetriebes zwischen dem 4. August und dem 4. Oktober (Herbstferien) 372 Hamburger Schülerinnen und Schüler als Corona-infiziert gemeldet. Von diesen hätten sich aber 292 »vermutlich gar nicht in der Schule infiziert«. Rabe schlussfolgerte, dass sich zwischen dem Sommer und den Herbstferien lediglich 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die in dieser Zeit als Corona infiziert gemeldet worden sind, vielleicht in der Schule infiziert haben können."  

[...] Der österreichische Mikrobiologe Michael Wagner von der Universität Wien, der eine groß angelegte "Schul-Sars-CoV-2-Monitoringstudie" in Österreich leitet, [... meint zu der Feststellung Rabes:] Eine Aussage kann ich nur machen, wenn ich zumindest die ganze Klasse von den infizierten Schülern getestet habe, und zwar nicht nur nicht nur einmal." Solche Reihentests waren aber nicht die Grundlage der von Rabe vorgetragenen Zahlen."

[... Er selbst warnt:] »Wenn das Infektionsgeschehen draußen hoch ist, kann ich eine Schule nicht so schützen, dass dort keine Übertragungen stattfinden.«" 

In: Studienergebnisse erst im Sommer | Tagesschau (Stand: 17.12.2020 10:30 Uhr)